Kanalnetz:
Das Einzugsgebiet der an die Kläranlage
angeschlossenen oder noch anzu-
schließenden Gesamtkanalisation erstreckt
sich auf die Bereiche Kastl - Ort,
Pattershofen, Pfaffenhofen, Mennersberg,
Mühlhausen und Utzenhofen.
Die technische Lösung des Kanalnetz
ist auf die gegebene Vorflutersituation
ausgerichtet. Bemessungen und Lösungen
entsprechen den neuzeitig gülti-
gen abwassertechnischen Vorschriften und
den anerkannten Regeln der
Technik.
Wesentliche Elemente im Kanalnetz sind zwei
sogenannte Regenüberlauf-
becken. Das obere RÜB 1, primär
für den Ort Kastl zuständig, umfaßt ein
Volumen von rd. 100 m³. Das untere
Becken mit rd. 500 m³ ist abgestimmt
auf das Gesamteinzugsgebiet. Sinn und Zweck
der Regenüberlaufbecken
ist, bei stärkeren Regenfällen
den ersten Schmutzwasserstoß aufzufangen
und diesen nach Regenende dosiert der Kläranlage
und damit einer geord-
neten Reinigung zuzuführen. Dem Schutze
des hier sehr hochrangigen Vor-
fluters wird dadurch weitgehend Rechnung
getragen. Die in den Regen-
becken zurückgehaltenen Schmutz- und
Schlammengen unterstreichen diese
Aussage bzw. die Notwendigkeit bildhaft
und deutlich. Sie sind ein augen-
scheinliches Zeichen für die Wichtigkeit
dieser Maßnahmen zur Gewässer-
reinhaltung.
Insgesamt umfaßt das Einzugsgebiet
des Kananlnetzes rd. 100 ha. Die maxi-
mal im Kanalnetz erfaßte Regen- bzw.
Mischwassermengen beträgt rd. 3 200 1/s
beim Berechnungsregen. In der Kläranlage
können maximal 45 1/s biologisch
verarbeitet werden. Die diesen Wert übersteigende
Regenwassermenge wird
in den genannten Regenüberlaufbecken
gepuffert bzw. in den Vorfluten ent-
lastet.
Kläranlage:
Als Reinigungssystem der neuen Kläranlage
wurde das sog. Belebtschlammver-
fahren mit gemeinsamer Schlammstabilisation
gewählt. Es kann unterschiedliche
Belastungssituationen sehr gut ausgleichen,
ist sehr variabel und in punkto
Schlamm- bzw. Schlammbehandlung äußerst
unkompliziert. Besonders Merkmal
ist die stets gleichbleibend hervorragende
Reinigungsleisung, bei der i.d. Regel
die gesetzlich zulässigen Einleitungsgrenzwerte
weit unterschritten werden.
Insbesondere ist das Verfahren bestens geeignet,
die künftigen hohen erweiteten
Reinigungsanforderungen zu meistern.
Als Bemessungsbasis liegen zugrunde:
Gebiet Pattershofen,
Pfaffenhofen, Mennersberg
800 EW
Gebiet Kastl
3 700 EW
_ _ _ _ _ _
4 500 EW
(EW = Einwohner = Einwohnerzahl + z.B. gewerbliche
Einwohnergleichwerte)
Der Zufluß zur Kläranlage beträgt:
bei Trockenwetter 25 1/s oder
90 m³ / h
bei Regenwetter
45 1/s oder 160 m³ / h
Funktionsablauf:
Die Abwasserreinigungsanlage arbeitet nach
dem aktuellsten Stand der Abwasser-
technik, bezogen auf die Eigenschaften und
Besonderheiten des Anschlußbereiches.
Das ankommende Abwasser wird im Zulaufhebewerk
mittels zweier Schnecken-
pumpen gehoben, um die Kläranlage dann
im natürlichen Gefälle zu durchfließen.
Im Betriebsgebäude befinden sich eine
automatisch arbeitende Rechenanlage, ein
sog. Feinrechen mit Rechengutentwässerung,
dem ein ebenfalls vollautomatisierter
Langsandfang angebaut ist. Die ausgesonderten
Grobstoffe, sowohl Rechengut als
auch Sand werden in Containern gesammelt
und über die kommunale Müllabfuhr
entsorgt.
Das soweit vorgereinigte Abwasser erreicht
dann die biologische Reinigungsstufe,
das sog. Belebungsbecken. Mit Hilfe von
Abwasserbackterien vollzieht sich hier der
biologische Abbau der organischen Abwasserverschmutzung.
Die entwickelten
Bakterienkolonien werden als feinflockiger
braunfarbener Belebtschlamm sichtbar.
Lebensgrundlage der Mikroorganismen sind
die im Abwasserzulauf mitgeführten als
Nahrung dienenden Schmutzstoffe, sowie eine
stets ausreichende Sauerstoffversor-
gung im gesamten Belebungsbecken. Letzteres
geschieht durch dicht über der Be-
ckensohle eingepreßte Druckluft, die
mittels spezieller Filterkerzen sehr feinblasig und
damit sehr wirkungsvoll in den Luft erfolgt
in der Gebläsestation, untergebracht im
Keller des Betriebsgebäudes.
Eine automatische Sauerstoffmeß- und
Regelanlage regestriert ständig dem momen-
tanen Sauerstoffbedarf im Belebungsbecken
und veranlaßt die jeweils erforderliche
Zu- oder Abschaltung oder Drehzahlveränderung
der Belüftergebläse. Wirtschaftli-
cher Betrieb, stets angepaßt an die
Schmutzfracht des Zulaufes, ist dadurch gegeben.
Im weiteren Reinigungsverlauf gelangt das
Belebtschlammgemisch aus dem Belüf-
tungsbecken über eine Dükerleitung
in den Mittelschacht des Nachklärbeckens. Das
Wasser fließt dann strahlenförmig
(radikal) vom Beckenmittelpunkt zu der am Becken-
rand befindlichen Überlaufrinnen.
Die Fließgeschwindigkeit des Belebtschlamm-Wasser-Gemisch
nimmt zum Beckenrand
hin immer mehr ab. Die leichten, flockigen
Schlammteile sinken dabei zu Boden und
werden vom Räumschild der ständig
umlaufenden Räumerbrücke zum mittigen
Sammeltrichter in der Beckensohle geschoben.
Von dort gelangt das Schlammkonzen-
trat zum Rücklaufschlammpumpwerk.
Es ist zum Ausgleich des Höhenunterschiedes
notwendig, um den sogenannten Rück-
laufschlamm (Rückimpfung und Erhaltung
der biolog. aktiven Schlammmasse) wieder
ins Belebungsbecken zurückzuführen.
Das im Nachklärbecken oberflächennahe
Wasser hat sich wie vorher beschrieben,
vom absinkenden Schlamm getrennt und wird
von der am Beckenrand befindlichen
Überlaufrinne abgenommen. Es ist an
dieser Stelle glasklar und biologisch weitestge-
henden ausgereinigt, wobei im bisherigen
Betrieb bereits Reinigungsleistungen, be-
zogen auf den biochemischem Sauerstoffbedarf,
von rd. 99% erzielt wurde. Auch im
Hinblick auf andere einzuhaltende Meßparameter
bringt die Anlage hervorragende
Leistungen.
Letzte Stationen für das jetzt „saubere“
Wasser ist die sog. Ablaufmessung. Der Mo-
mentandurchfluß in 1/s sowie die Summierung
im m³ werden hier ständig gemessen
und festgeschrieben.
Danach gelangt das solchermaßen geklärte
und registrierte Wasser in den der Kläran-
lage nachgeschalteten Schönungsteich.
Dieser erbringt nochmals eine zusätzliche aus-
gleichende Wirkung gezogen auf die Vorfluterbelastung
aus der Kläranlage. Er wird
erfahrungsgemäß sofort angenommen
von der heimischen Tier- und Pflanzenwelt und
stellt also auch in dieser Hinsicht eine
Bereicherung in diesem Raum dar.
Der andere wesentliche Teil der Kläranlage ist die Schlammbehandlung:
Entsprechend der stetig zulaufenden Schmutzfracht
fällt im biologischen Reinigungs-
prozeß auch ständig sogenannter
Oberschußschlamm an. Dieser wird kontinuierlich
als kleiner Teilstrom aus dem erwähnten
Rücklaufschlamm entnommen und dem
Schlammeindicker zugeführt. Es erfolgt
dort eine zusätzliche Verdickung und Abtren-
nung von unnötigem Ballastwasser. Nach
1 bis 2 Tagen Eindickzeit wird der nunmehr
durch den Wasserentzug auch in seinem Volumen
deutlich reduzierte Überschuß-
schlamm zum Schlammpumpwerk abgelassen und
dort mittels leistungsfähiger Tauch-
pumpe in einen der drei verfügbaren
Schlammstapelbehälter gefördert. Dort kann der
Schlamm durch Wasserabzug weiter eingedickt
werden bzw. die bei landwirtschaftli-
cher Verwertung teilweise geförderte,
einjährige Lagerzeit eines Teiles des Schlammes
sichergestellt werden.
Die Schlammbehandlungsanlage ist mit verschiedenen
Beschickungs- und Entnahme-
einrichtungen ausgestattet, so dass eine
problemlose „Bewirtschaftung“ ,möglich ist
und der Schlamm auch jederzeit in homogenisierten,
gut durchmischter Form an die
Landwirtschaft als wertvoller Humus – Dünger
abgegeben werden kann.
Im Betriebsgebäude laufen alle wesentlichen
Meß- und Steuerwerte zusammen. Das
Personal kann von dort aus alle Funktionen
und evtl. Störungen des Betriebsablaufes
erkennen. Eine hochgradige elektrische und
elektronische Schaltzentrale erlaubt über-
sichtliche durchschaubare Bedienung. Bei
Abwesenheit des Klärwerkspersonals wer-
den evtl. auftretende Störungen automatisch
über Telefon an verschiedene frei wähl-
bare Rufadressen signalisiert.
Dies ist ein Zeichen welch großes
Augenmerk der Betriebs- und Funktionssicherheit
gewidmet wurde.
Im Gebäude befinden sich außerdem
diverse Räumlichkeiten für Labor, Hygiene, Werk-
stattarbeiten und Geräteunterstellung.
Der Stromanschlußwert der Kläranlage beträgt
60 kVA einschließlich Reservevorhaltung.
Das Grundstück ist den Sicherheitsanforderungen
entsprechend eingezäunt und zur
optimalen Einbindung in die Umgebung landschaftsgärtnerisch
bepflanzt. Hervorzu-
heben ist, dass hier in hohem Maße
die standortvorhandene Bepflanzung, soweit sie
sich im Baufeld befand, vollwertig umgesetzt
wurde. Ergänzende Pflanzungen wurden
ebenfalls standortgerecht, angepaßt
an das vorhandene Umfeld, vorgenommen.
Planungsgrundlagen:
Ausbaugröße
4 500 EW
Abwasserzulauf bei Trockenwetter
max. 25 1/s = 90 m³/h
1 300 m³/d
Abwasserzulauf bei Regenwetter
max. 45 1/s = rd. 160m³/h
Biologische Schmutzfracht im Zulauf
270 kg BSB5/d
Zulässige Restverschmutzung im Ablauf
20 mg BSB5/1
Vorfluter Lauterach
mittl. Niedrigwasserführung
MNQ = 400 1/s
Stromanschlußwert
ca. 60 kw
Bauwerksgrößen, Kennwerte:
Schneckenpumpwerk
2 Schnecken a 22,5 1/s, Dchm. 600
mm
Rechenanlage
Rechenkorbdurchmesser 780 mm
Stababstand 5 mm
Langsandfang (belüftet)
Länge rd. 7 m/Gerinnebreite 800 mm
Belebungsbecken
Innendurchmesser
18 m
Wassertiefe i.M.
r.d. 4,0 m
Volumen
r.d. 1.000 m³
Durchflußzeit bei:
- Trockenwetter
r.d. 11 h
- Regenwetter
r.d. 6 h
Nachklärbecken
Innendurchmesser
18 m
Wassertiefe i.M.
r.d. 3,04 m
Gesamtvolumen
r.d. 700 m³
Ablaufmessung
Messung mittels Dreieckswehr und Echolot
Schönungsteich rd. 900 m³
Rücklaufpumpwerk mit Schlammeindicker
(ca. 20 m³)
Speicherzeit 2,5 Tage
3 Schlammstapelbehälter
Innenmaße
je 11 x 11 m
Fülltiefe i.M.
3,75 m
Einzelvolumen
je rd. 450 m³
Betriebsgebäude:
abwassertechn. Räume mit Schneckenpumpwerk,
Rechen, Sandfang
Maschinenraum mit Belüfterkompressoren,
Sandfanggebläse, Betriebswasseranlage
im UG
Schaltzentrale, Labor, Bad, Abstell- und
Werkraum im EG.